Die Talkessel

 

Die drei kreisförmigen Bergkessel (daher auch "Cirques" genannt) Salazie, Mafate und Cilaos entstanden aus der Erosion und dem Zusammensturz der Bergwände des Piton des Neiges, der mit über 3.000 m der höchste Berg der Insel ist. Die Cirques mit ihren zahlreichen Wanderwegen, durch eine überwältigende Landschaft, sind ein Paradies für Wanderer.

 

Cirque de Salazie

 

Wir sind am frühen Morgen bei leichtem Regen und Wolken losgefahren. Von Saint André fuhren wir entlang der dicht bewaldeten Schlucht der Rivière du Mat, wo viele Wasserfälle die Landschaft prägen. Die Straße schlängelt sich langsam aufwärts und es goss in Strömen. Als wir Salazie erreicht hatten, hörte der Regen zum Glück auf und je höher wir fuhren, desto besser wurde das Wetter. In Hell-Bourg hatten wir dann strahlenden Sonnenschein. So schnell kann sich das Wetter auf der Insel ändern.
Hell-Bourg gilt als eines der schönsten kreolischen Dörfer. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden hier Thermalquellen entdeckt, welche dem Ort einen nicht unwesentlichen Reichtum bescherten. Es wurden viele sehenswerte kreolische Villen von wohlhabenden Bürgern erbaut. Schade, dass der Ort heute eher einen heruntergekommenen Eindruck macht. Wir drehten eine kleine Besichtigungsrunde durch den Ort, statteten dem Touristenbüro einen kurzen Besuch ab und schauten uns in den beiden Touristenläden nach ein paar Mitbringsel um.
Anschließend fuhren wir ein Stück zurück Richtung Salazie, da man von der Straße aus einen fantastischen Blick auf die vielleicht bemerkenswerteste Sehenswürdigkeit des Cirque de Salazie, die Brautschleierfälle (Cascade du voile de la Mariée) hat. Es handelt sich praktisch um einen Berghang, der einen einzigen Wasserfall darstellt, nur unterbrochen durch die üppige Pflanzenwelt. Wir fuhren die Straße links um den 1.352 m hohen Piton Maillot und Piton d'Enchaing herum nach Grand Îlet. Seltsamerweise stand dort die schöne Kirche, die auf allen Postkarten und Fotos von Hell-Bourg zu sehen war.



Cirque de Mafate

 

Der Cirque de Mafate ist nur zu Fuß oder per Hubschrauber zu erreichen. Mit seinem über 140 km langen Wegenetz ist er ein absolutes Wanderparadies. Oft wird eine dreitägige Tour durch den Talkessel Mafate empfohlen. Im Mafate wohnen nur etwa 800 Einwohner, die sich auf etwa 10, durch Fußwege verbundene, kleine Siedlungen verteilen. Strom gibt es dort nur durch Sonnenkollektoren, und alle Lebensmittel, außer dem was in den Gärten wächst, müssen extra mit dem Hubschrauber eingeflogen werden, ebenso wie der Arzt, der Lehrer und die Post.
Wir fuhren von L'Étang-Salé les Bains, wo wir mittlerweile unser zweites Quartier bezogen hatten, nach Le Tévelave. An der dortigen Kirche beginnt die RF9 (Route Forestière) die sich über 36 km am Berg entlang schlängelt, um letztendlich zum Piton Maido zu führen.
Das Aussichtsplateau Le Maido ist einer der beeindruckendsten Aussichtspunkte von Réunion und liegt auf einem Felsvorsprung in schwindelerregender Höhe über dem Cirque de Mafate. Der Steilhang hinunter in den Talkessel ist hier über 1.000 m tief. Die beste Aussicht über Mafate hat man am frühen Morgen.
Auf der Rückfahrt zogen bereits um 10.00 Uhr die ersten Nebelschwaden auf. Wir fuhren zurück auf die Inselstraße nach Saint-Gilles-les-Bains und machten dort einen Spaziergang am Meer mit seiner tollen Brandung.



Cirque de Cilaos

 

Bei Saint Louis geht die Bundesstraße N5 in den Cirque de Cilaos von der Küstenstraße ab. Der einzige Weg, die Route aux 420 virages (Straße der 420 Kurven,) der in das Herz des Talkessels führt, ist ein echtes Erlebnis. Die ersten Kilometer der Straße sind gut ausgebaut, aber unsere Fahrt wurde dort erstmal durch eine Straßensperrung gestoppt. Felsbrocken hatten sich gelöst und waren auf die Straße gestürzt. Nun kontrollierten Arbeiter den Berg, um die restlichen noch lockeren schweren Brocken zu lösen. Bis man mit Bagger und LKW die Straße freigeräumt hatte vergingen 1 1/2 Stunden.
Endlich ging es weiter auf der Serpentinenstraße, die man teilweise in den Berg gesprengt hat und die nun über 36 Kilometer nach Cilaos führte. Eine echte Herausforderung für jeden Autofahrer. Unübersichtlich - abrupte einspurige Streckenführungen, Haarnadelkurven und ein ca. 800 Meter langer einspuriger dunkler Tunnel, in dem man den Gegenverkehr erst sieht, wenn man schon ca. 15 bis 20 Meter in den Tunnel hineingefahren ist. Da kommt richtig Freude auf. Wer fährt nun zurück?
Nicht zu vergessen, der Gegenverkehr, der nicht nur auf engster Strecke deine Fahrspur benutzt.
Auf dieser Strecke achtet höchstens der Beifahrer, falls er gute Nerven hat, auf die spektakuläre Landschaft.
Cilaos hat ca. 5.000 Einwohner und ist ein hübsches kleines Städtchen mit schönen kreolischen Häusern, einer Post, ein paar Restaurants, einem Touristenbüro, sowie ein paar Läden für touristischen Schnickschnack und der schönen Kirche "Église Notre Dame des Neiges", die auch ein klangvolles Glockenspiel zu bieten hat. Auf der rechten Seite des Ortes hat man einen kleinen See angelegt, an dessen Verschönerung auch noch gearbeitet wurde. Uns hatte es hier viel besser als in Hell-Bourg gefallen.

 

Hier geht es weiter: Die Küstenstraße im Süden.