Die Wallfahrtskirche Panagia Evangelistria

 
 
Die Hauptattraktion von Tinos ist die auf einem Hügel liegende Kirche Panagia Evangelistria mit ihrer berühmten Marien-Ikone.

 

 

 

Pilger auf dem Weg zur Panagia Evangelistria

 
Über die Entdeckung der Marien-Ikone gibt es eine umfangreiche Legende. Eigentlich wurde die Ikone  erst im zweiten oder dritten Anlauf gefunden. Michalis Polizois hatte 1821 die erste Erscheinung, die ihm auftrug, auf welchem Feld er graben müsse. Nachdem er nichts fand, gab er entnervt auf, zumal ihm auch niemand seine Vision glaubte. Im Juli 1822 erschien die „Heilige Jungfrau“ dann der Nonne Pelagia aus dem Kechrovouni-Kloster gleich dreimal, bis diese überzeugt war und ihre Äbtissin Melanthia einweihte. Die Äbtissin startete mit Zustimmung des Bischofs eine erneute Grabungsaktion. Wegen des Protestes des Bauern wegen seiner Feldfrüchte wartete man mit dem Graben aber erst mal bis nach der Ernte. Dabei stieß man zwar auf die Reste zweier Kirchen, aber wieder nicht auf eine Ikone. Den folgenden Ausbruch der Cholera wertete man als himmlische Strafe, sodass man den Wiederaufbau der ersten Kirche der Vision entsprechend in Angriff nahm. Bei der Einweihung Ende November 1822 war wie durch ein Wunder der mit ausgegrabene, aber ausgetrocknete Brunnen an diesem Tag wieder randvoll mit Wasser gefüllt. Daher begann man auch die zweite Kirche Zoodochos Pigi wieder aufzubauen. Obwohl am 30. Januar 1823 der Feiertag der drei Hierarchen war, arbeitete man weiter. Dabei grub ein Arbeiter erst ein Stück Holz aus, das sich nach Reinigung als Teil einer Ikone erwies, und kurze Zeit später auch den Rest der Marien-Ikone. Die Nachricht der Auffindung verbreitete sich in Windeseile über Tinos, und als erstes Wunder gab es die Rettung vor der Cholera: Kein neuer Krankheitsfall mehr, und alle noch Erkrankten wurden gesund.
Mit der Begeisterung über die Auffindung wurde auch beschlossen, oberhalb Zoodochos Pigi eine große Kirche, die heutige Panagia Evangelistria zu erbauen. Für den Bau fanden Marmorstücke und Säulen aus den antiken Tempeln in Delos und Tinos Verwendung. Die Panagia Evangelistria wurde 1826 fertiggestellt und ist die größte Wallfahrtskirche Griechenlands, die jedes Jahr Tausende von Pilgern und Fürbitter(inne)n anzieht. Der Kirche fließen dadurch natürlich immense Spenden zu, die interessanterweise aber nicht alleine der Bestimmung der Kirche unterliegen, sondern durch die „Heilige Einrichtung“ nicht nur für kirchliche Zwecke, sondern insbesondere auch für soziale und kulturelle Tätigkeiten und an sozial Schwache verteilt werden. Die neun Mitglieder dieser Kommission werden alle drei Jahre neu gewählt, müssen orthodox und natürlich Tinioten sein. Der Präsident der „Heiligen Einrichtung“ ist immer der Metropolit von Syros und Tinos.
Die Basargasse ist einer der Wege die zur Panagia Evangelistria hinauf führen. Hier reiht sich ein Laden an den Anderen. Es werden Ikonen, Kerzen in verschiedenen Größen, Weihrauch in verschiedenen Geruchssorten und allerlei Produkte für die Wallfahrer verkauft.
 
Unsere erste Besichtigung der Wallfahrtskirche war mittwochs und wir hatten das Glück, dass wir zu dieser Zeit fast alleine dort waren. Auf dem Weg zur Kirche liegt ein roter Teppich, der an diesem Tag für das große Fest Mariä Verkündung am 25. März gereinigt wurde. Auf den imposanten Eingangstoren prangen zwei goldene Bildnisse. Direkt rechts hinter dem Tor, werden die großen Kerzen aufgestellt. Bei der Größe der Kerzen fragt man sich, wie groß die Sünden wohl waren.
Auf dem Vorplatz befindet sich ein großes Kieselmosaik und die Stufen hinauf zur Kirche und der ganze Vorplatz ist aus Marmor von Tinos und Paros. Im strahlenden Sonnenlicht ist die Panagia mit ihren Arkadengängen schon sehr eindrucksvoll.
 Blick auf die Panagia Evangelistria
Am Wochenende war es merklich voller und die Pilger kamen in Scharen. Einige auch auf Knien rutschend. Auch hier stellte sich uns die Frage nach der Schwere der Sünden.

Leider hat der starke Wind den Ton im Video etwas beeinträchtigt.

 
Die Kirche hat zwei Stockwerke und der obere Teil (Kirche der Verkündung) mit der Säulenhalle besteht aus drei Teilen. Marmorsäulen, die zahlreichen Ikonen und der durch drei Marmorstufen erhöhte Altar sowie die Marmorkanzel schmücken den imposanten Kirchenraum.
Besonders auffällig sind die als Fürbitte gedachten herabhängenden silbernen Schiffe für die Elli und ihre Besatzung.
Direkt links vom Haupteingang befindet sich unter einem Marmorbaldachin die heilige Ikone der Mutter Gottes.
 
Im Erdgeschoß ist die Kirche "Zoodochos Pigi", auch Kirche der Auferstehung genannt. Sie besteht aus  drei bogenförmigen Kapellen.
In der ersten Kapelle sieht man die Quelle des Heiligen Wassers. Hier füllen sich die Gläubigen unzählige große und kleine Flaschen mit dem heiligen Wasser ab.
In der zweiten Kapelle befindet sich das alte Taufbecken und die dritte Kapelle ist den Helden des Kriegsschiffes "Elli" gewidmet, das 1940 am Tag nach Himmelfahrt durch ein Torpedo von den Italienern versenkt wurde.
 
Der schöne Glockenturm ist auch aus Marmor. Früher soll der Turm 34 Meter hoch gewesen sein, aber durch die nördlichen Winde wurde er zerstört und daher ist der imposante Turm heute nur noch 29 Meter hoch. Auf einer Marmorsäule im Innenhof findet sich das Bildnis des Bischofs von Tinos.
Sehr schön ist auch der Blick von oben auf die Stadt.
Wir machten uns auf den Weg zurück in die Stadt, vorbei an der Pilgerskulptur, von hier kann man gut auf den langen mühsamen Pilgerweg vom Hafen zur Kirche blicken.

 

 

Hier geht es weiter vom Süden in den Nordwesen der Insel.