Die Chóra und der Kochylas

 

Die Chóra von Skyros lässt sich nicht an einem Tag entdecken. Die weiße Stadt mit ihren vielen flachen Dächern, erinnert eher an eine Kykladenstadt.
Eine Sporadeninsel im Kykladenstil.


Auf der Hauptstraße, der Agoras, findet man eine bunt gemischte Vielfalt an Geschäften. Kleine Lebensmittelläden, Bäcker, einen Schuhladen, Souvenirläden, Bars und Tavernen reihen sich bis zur Plateia aneinander. Unser Favorit war die Taverne Mariéttis in der Mitte der Agora. Man sitzt gemütlich unter einer Platane und dort haben wir unsere bisher beste Fava und Horta gegessen. Für Weißweinliebhaber können wir die Kalypso Bar am oberen Ende der Agora empfehlen. Den besten Kaffee und die netteste Bedienung gibt es gegenüber der Pizzeria.
Oberhalb der Agora beginnt das Kastroviertel, welches das noblere Wohngebiet der Chóra sein soll. In den verwinkelten Gassen findet man viele Fotomotive, nicht nur im typischen blau/weiß der griechischen Inseln. In den Gassen mit dem schönen Kopfsteinpflaster gab es sehr viel Blumenschmuck und die Häuser waren sehr gepflegt. Auch wurde man an fast jeder Ecke freundlich begrüßt.
Im nördlichen Teil der Agora hat man dem britischen Marineoffizier Rupert Brooke ein Denkmal in Lebensgröße gesetzt. Über den Sinn und Unsinn dieses Denkmals streiten sich die Anwohner bis heute. Von hier oben hat man eine schöne Aussicht auf die Strandgebiet. Seitlich von der Platia Brooke steht die kleine Kirche Agia Triáda. Das nahegelegene archäologische Museum ist einen Besuch wert.
Im höher gelegenen Wohnviertel befinden sich auf dem Weg zum Kastro mehrere kleine Kirchen. Durch einen Gewölbegang erreicht man die Panagia Koutsoú, deren Kuppelmalereien schon restauriert wurden. Wie wir erfahren haben, sind für die anderen Kirchen die Restaurierungen in Planung.
Oberhalb der Chóra thront die Befestigungsanlage des Kastro und das Kloster Àgios Geórgios Skyrianós, welches früher zum heiligen Berg Áthos gehörte. Das Areal der Burg wird zur Zeit renoviert und ist für Besucher offiziell geschlossen. Wir hatten aber Glück und man ließ uns einen kurzen Blick in den Vorhof werfen.
Hinter der Platia Agiou Vassiliou ist das Faltaits-Museum. Das Haus beinhaltet eine Privatsammlung des Soziologen, Malers und Schriftsteller Mános Faltaits. Bei unserem Eintreffen verabschiedete sich gerade ein Fanclub vom anwesenden Meister. Wir bekamen eine Privatführung durch mehrere Stockwerke des Gebäudes. Im unteren Stockwerk befinden sich Malereien, die ich persönlich als verstörende Bilder mit immer gleich aussehenden Gesichtsausdrücken empfunden habe. Mein einziger Lichtblick waren eine Anzahl von alten Fotografien. Das ganze Museum hatte für mich etwas Erdrückendes.  Nur für wahre Kunstkenner zu empfehlen.

 

Nachdem wir schon einen Großteil der Insel erkundet hatten, wollten wir auch noch in den Süden. Wir fuhren von Chóra Richtung Aspous und bogen kurz hinter dem Ort nach Achilli ab. Von dort machten wir einen kurzen Abstecher zur Achilli Bucht mit der kleinen Kirche Àgios Nikolaos.
Die berühmten Skyros Ponys standen bei Loutro. In der freien Wildbahn findet man heute leider keine Ponys mehr.
Es ging weiter Richtung Kalamitsa, ein Stück am Meer entlang und dann führte die asphaltierte Straße hinauf zur Àri-Hochebene. Nach einer Weile konnte man rechts abbiegen und kam so zu einem Olivenhain, in dem sich das Marmorgrab des englischen Dichters Rubert Brookes befindet. Kurz hinter der Grabstelle endete die Straße und es begann militärisches Sperrgebiet.

Wir fuhren auf die Höhe zurück, dann rechts weiter durch die einsame, karge Gegend Richtung Ostküste. Die Straße führt immer am Hang des Kóchylas entlang und eröffnet herrliche Ausblicke. Offensichtlich wurde die Straße kürzlich erst ausgebaut, wobei die Straßenarbeiter sich mit diversen Steinskulpturen künstlerisch verewigt haben.

 

Unser Fazit: Skyros war für uns weniger eine Sporadeninsel - im Vergleich zu Skopelos. Sie erinnerte uns oft an die Kykladen.

Der Unterschied mag darin liegen, das Skyros viel weniger touristisch geprägt ist.

Die Menschen unterscheiden sich. Auf Skyros ist man einfach da, wird weniger beachtet und trotzdem freundlich aufgenommen. Der Skyrote ist zurückhaltender und von einer eher distanzierten Freundlichkeit, die einem aber nach einiger Zeit ein Gefühl von Akzeptanz und Zugehörigkeit vermittelt.

 

Für uns eine "Wir kommen wieder Insel".



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