Die Chora und neue Entdeckungen

 
Übermächtig thront das Johanneskloster über der Chora. Diesem Anblick kann man sich einfach nicht entziehen und bei jedem Besuch durchstreifen wir die engen Gassen der Chora. Vor uns ein Pope, der sich sichtbar die Stufen hinauf quält - er ist auch nicht mehr der Jüngste. Wir folgen ihm und stehen eine Weile oben am Plateau und blicken über die Bucht von Skala. Was für ein Panorama! Es ist Mittagszeit, die Touristenbusse sind längst abgefahren und es ist still in den Gassen.
Die Tavernen sind alle geschlossen - erst am Abend lohnt es sich für sie wieder zu öffnen. Schade - keine Kaffeepause in der milden Herbstsonne. Die Taverne Vangelis hat einen neuen Besitzer, aber das Essen ist unverändert gut. In einer Ecke liegt eine Katze - eingekuschelt in die Blüten der Bougainvillea  - friedliche Mittagsruhe.
 
Das Nikolaidis Manison Haus aus dem 17.-18. Jhdt. ist ein typisches, traditionelles Haus von Patmos, das zu einem sehr interessanten Museum umgestaltet wurde. Das Herrenhaus im nordöstlichen Teil der Chora beherbergt u.a. eine Ausstellung von archäologischen Funden. Öffnungszeiten 11.00 bis 14.00 Uhr. Eintritt 3,00 Euro. Im Erdgeschoß befindet sich ein Ofen, frühere Lagerräume für Lebensmittel, eine Zisterne und die Privatkapelle des hl. Nikolaus.
Im ersten Stock waren die Schlafzimmer, die Halle oder Nontas und die oberen Innenhöfe. In einem Raum befand sich eine uns völlig unbekannte Holzkonstruktion. Hierbei handelte es sich um ein "ampataro". Ein aus Holz kunstvoll verzierter Vorhang, der früher als Trennwand zwischen Wohnzimmer und Schlafzimmer verwendet wurde. In einem Fenster hatte man die griechische Fahne drapiert. Vom Innenhof hatte man wieder den unverwechselbaren Blick über die Dächer zum Johanneskloster.
Nach dieser wirklich interessanten Besichtigung verließen wir die Chora. Eine in der prallen Mittagssonne stehende Eistruhe scheint auch typisch griechisch zu sein ;-)
 
Es gibt Dinge, die glaubt man erst, wenn man sie gesehen hat. Dazu gehört für uns auch das Simandiri Haus in der Chora.
Das Herrenhaus wurde im Jahre 1625 von türkischen Handwerkern erbaut und wird heute immer noch von einer 92-jährigen alten Dame bewohnt. Sie lebt für das und in diesem Museum. Vor allem hat sie sehr  viel zu erzählen. Das Haus ist erstaunlich groß und enthält ein Sammelsurium ihrer Familiengeschichte über sicherlich 200 Jahre. Da möchte ich nicht staubwischen :-)
Die Sammlung besteht aus russischen Ikonen, Holzmöbeln, Gemälden, alten Fotografien, Familienerbstücken hauptsächlich aus Odessa, wo die Mutter früher zwei Restaurants besaß, bis sie wegen den Bolschewiken Odessa verließen.
Wenn ich es richtig verstanden habe, waren ihre Vorfahren Kapitäne, die die Welt bereisten und so in Griechenland sesshaft wurden. Ihre fünf Söhne leben an verschiedenen Orten in Griechenland. Die alte Dame erzählte uns auch, das sie früher einen deutschen Mann hatte, aber auf den war sie gar nicht gut zu sprechen. Man muss aufpassen, hier vergeht die Zeit wie im Flug und es ist etwas anstrengend, da sie zu der Vielzahl ihrer gesammelten Schätze auch immer etwas zu erzählen hat. Zum Schluss versuchte sie auch, ihre kleinen Häkeldeckchen zu einem utopischen Preis zu verkaufen, was wir dankend ablehnten. Eine kleine Geldspende für die amüsante Führung sollte aber sein.
 
Was uns wirklich gefreut hat, ist, dass die Windmühlen mittlerweile restauriert sind und man sie auch von innen besichtigen kann. Öffnungszeiten von Dienstag bis Freitag 9.00 bis 13.00 Uhr und Samstag von 16.30 bis 20.30 Uhr.
Der Eintritt ist kostenlos und man bekommt eine sehr schöne Führung in den Windmühlen. Im unteren Bereich der mittleren Mühle sind die alten Gerätschaften aufgebaut und es gibt ein paar Fotografien, wie die Mühle früher ausgesehen hat. In einer zweiten Windmühle wurden das Windrad und das Mühlwerk original restauriert und sind wieder in Betrieb. Wir konnten beim Mahlen des Mehles zusehen, welches später an die zwei Bäckereien in Skala verkauft wird. Wenn die Mühlräder in Betrieb sind, hält man es oben in der Enge der Mühle nicht lange aus - es ist sehr laut.
 
Die Mühle in Betrieb - incl. Vorführung.
 
Das Fischerdorf Sapsila liegt zwischen Skala und Grikos. Bisher sind wir immer nur vorbeigefahren, aber wir wollten uns die Bucht doch einmal aus der Nähe ansehen. Viel zu sehen gibt es nicht - eine kleine Kapelle und ein paar Fischerboote. Der Strand ist klein und vermutlich hat man hier selbst im Hochsommer noch seine Ruhe. Auf der anderen Seite des Dorfes steht vorgelagert wie auf einer Insel im Meer das private Anwesen des Archimandriten Antipas, der mehrere Jahre auch Abt des Johannesklosters war. Der Strand besteht aus dicken Kieselsteine, aber die Lage und das glasklare Wasser sind traumhaft.
 
Mein Geheimtipp ist der abgelegene Strand Livadi Kalogiron an der Nordküste. Man sollte schon ein Stück oberhalb der Straße anhalten und den Ausblick genießen. Ein Stück vor der kleinen Taverne ist auf der rechten Seite noch ein schöner alter Dreschplatz. Der Strand lag einsam, aber an diesem Tag war der Himmel auch wolkenverhangen.
Die Szenerie des einsamen Fischerbootes auf dem Meer hielt uns eine Weile gefangen. Da wir von oben ein paar Gebäude, eine Kirche, Felder und Gemüsegärten gesehen hatten, wanderten wir rechts über den Strand in Richtung der bunten Fischerboote.
Ganz am Ende des Strandes ging es durch ein kleines Türchen einen Weg entlang zu den Gebäuden. Im ersten Moment sah alles recht unbewohnt aus, aber als plötzlich ein großer Hund laut bellend auf mich zuschoss, zog ich es vor, erst einmal stehen zu bleiben, da auch ein zweiter Hund gleich folgte. Zum Glück hatten die beiden Hunde auch einen Besitzer und hören konnten sich auch. Die Hunde wurden uns namentlich vorgestellt und erwiesen sich als friedlich. Nach einem kurzen Gespräch bekamen wir von der Ehefrau den Schlüssel zur Kapelle Agios Nikolaos. Ein schöner Vorhof mit diversen Ornamenten auf dem Boden  führt in die hübsche kleine Kapelle.
 
Es waren wieder zehn erholsame Tage auf Patmos. Danke an Susi und Sakis für die schöne Zeit. Einen Tag vor unserer Abreise erblühte diese wunderschöne Blume inmitten von Unkraut.
 
 
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