Quer über die Insel

 
Naoussa - früher ein kleiner Fischerort - heute die touristische Hochburg der Insel. Ich gestehe, im ersten Moment war ich etwas enttäuscht. Am Rand der Altstadt eine kleine Brücke mit ein paar Enten, die im Wasser dümpelten. Jede Menge Cafés und Tavernen an der Platia. Immerhin lagen die zahlreichen Fischerboote nicht zur Zierde im Hafen, es gab mal wieder jede Menge Tintenfische. Ein Stück weiter fiel unser Blick auf die Überreste des venezianischen Kastells. Wenn man sich aber  hunderte Tische und Stühle weg denkt, kommt man der Postkartenidylle schon etwas näher.


Der Venezianische Hafen mit den ankernden Fischerbooten und den schönen alten Häusern mit der Kirche im Hintergrund hatte schon einen besonderen Charme. Kaum vorstellbar, dass diese Massen von Tischen und Stühlen am Abend alle besetzt sind. Wir bummelten noch ein wenig durch die kleinen Gassen und beschlossen, Naoussa der Stimmung wegen nochmal am Abend aufzusuchen.


 
Von Naoussa aus machten wir uns auf den Weg Richtung Agios Ioannis Beach. Hinter Kolimbithres befindet sich ein Aqua Park, der aber scheinbar noch geschlossen war. Die Straße führt weiter am Meer entlang bis zu einer Bootswerft. Hier parkten wir und wanderten bis zum Monastiri Agios Ioanis, das direkt am Meer liegt. Von dort wanderten wir weiter bis zum Leuchtturm auf dem Kap Kórakas, dem nördlichsten Punkt der Insel. Wir hatten Glück - es war niemand dort und wir konnten die Ruhe und die Aussicht auf die felsenzerklüftete Küste genießen.
 
Zwischen Naoussa und Parikia befindet sich auf der linken Seite, ca. zwei Kilometer ins Landesinnere das Männerkloster Longovárdas mit der schönsten Klosterkirche der Insel. Frauen ist der Zutritt natürlich nicht erlaubt. Also sitzt man brav vor dem Klostertor und wartet, bis der hineingeschickte Ehemann mit hoffentlich guten Fotos wieder herauskommt. Zu meiner Überraschung ging aber schon vorher das Tor auf und ein junger Mönch brachte mehrere Sitzkisten, ein Tablett mit Souma (einer Spezialität von Paros), Wasser und die obligatorischen Lokoumi mit Rosenwassergeschmack.
Das Kloster wurde im Jahre 1683 gegründet. Die Fresken in der Klosterkirche, die mittlerweile schon stark verrußt sind, stammen aus den Jahren um 1770. Die im Kloster lebenden Mönche sind sehr freundlich und man bekommt viele Informationen in englischer Sprache. Angemessene Kleidung wird vorausgesetzt, d.h. lange Hosen und Hemd bzw. T-Shirt mit halbem Arm. Das Fotografieren der Mönche ist nicht erwünscht.
 
Von Parikia führt eine Straße direkt nach Marathi. Von dort ist der Weg zu den antiken Marmorstollen "Marble ancient quarries (Marathi)" ausgeschildert. Hier wurde früher der berühmte weiße Paros-Marmor für die verschiedenen Tempel in Griechenland abgebaut. Eine Stollenbegehung haben wir nicht gemacht. Es schien uns zu gefährlich und irgendwie hatte schon der Eingangsbereich etwas Beklemmendes.
 
Am nächsten Tag fuhren wir nach Marpissa und begannen unsere Entdeckungstour bei den drei Windmühlen, die man hoffentlich noch irgendwann restaurieren wird. Auf der anderen Straßenseite führt ein schmaler Weg direkt in das blumengeschmückte Dorf.



Das Dorf hat viele schöne weiße Häuser mit vielem Blumenschmuck und man findet eine große Anzahl von kleinen Kapellen und verschiedene Kirchen. Wir nahmen uns viel Zeit, schlenderten durch die engen Gassen und entdeckten immer wieder neue Fotomotive. Auf der Platia Agiou Nikolaou findet man die Taverne "Haroula". Die Wandmalereien dort auf der Hauswand stammen von einer Malerin aus Athen. Bei einem Blick in die Küche entdeckten wir einen gerahmten Zeitungsartikel von Klaus Bötig über diese Taverne. Dass das Essen dort sehr lecker ist, konnten wir später auch feststellen.
Am Abend sind wir nochmal nach Marpissa gefahren, und haben einen gemütlichen Abend in der Taverne Haroula verbracht (Spezialität des Hauses ist Kaninchen). Lustig wurde es, als wir feststellten, das unsere Tischnachbarn Dagmar und Jakob zwar auf Paros leben, aber Dagmar genau wie ich in Köln im gleichen Stadtteil geboren wurde.


 
Am nächsten Tag wollten wir uns die ehemalige Inselhauptstadt Lefkes ansehen, machten aber zuerst noch einen Zwischenstopp in Prodromos. Ein kleines stilles Dorf mit einem Tante Emma Laden, einer Taverne und einem Kafenion.
 
Lefkes soll das schönste Dorf von Paros sein, wobei ich mich aber nicht zwischen Lefkes und Marpissa entscheiden kann. Fazit: Beide sind unbedingt einen Besuch wert. Der erste Blickfang in Lefkes ist die imposante Kirche Agia Triada. Hier wurde überwiegend parischer Marmor verbaut und für die großen Leuchter wurde Muranoglas verwendet.


Vis-à-vis der Kirche befindet sich ein schönes Kafenion mit alten Fotos des Ortes. Dort gibt es Homemade Sweets von Mrs. Spiridoula. Die ebenfalls hausgemachte Limonade und der Kuchen waren wirklich sehr lecker. Ein schönes Plätzchen zum Sitzen und um die vorbeiströmenden Kirchenbesucher (Busgruppen mit Fähnchenführer) zu beobachten, die nur kurz ins Kafenion hineinstürmten, um mit einer kleinen Flasche Wasser für fünfzig Cent weiterzuziehen.
Im Zentrum des Ortes gibt es eine große und eine kleine Platia mit einem klassizistischen Kaffeehaus und ein kleines Volkskundemuseum. In den autofreien verwinkelten Gassen mit Treppen und Torbögen findet man eine kleine Anzahl von Geschäften, überwiegend aber mit Souvenirs für die hier durchziehenden Wanderer des byzantinischen Weges. Viele Häuser sind mit viel Liebe zum Detail herausgeputzt.
 
Unseren letzten Abend verbrachten wir nochmal in Naoussa und ich habe festgestellt, das am Abend doch eine besondere Atmosphäre am alten Fischerhafen herrscht. Gegessen haben wir später in der Fischtaverne Glafkos am Agios-Dimitrios Strand (östlich vom alten Hafenbecken). Der gegrillte Feta und das gegrillte Gemüse, sowie die Spaghetti mit Shrimps waren gut gewürzt und sehr lecker. Preise im Rahmen.



 
Fazit dieses Urlaubes - drei sehr entspannte Wochen auf drei interessanten und ruhigen Inseln (Schinoussa, Koufonissi, Paros), die uns gut erholt nach Hause kommen ließen.

 

Hier geht es nach Antiparos.