Mandraki

 
 
Nachdem wir am gestrigen Tag nur einen kleinen Rundgang durch Mandraki gemacht haben, wollen wir heute den hübschen Ort und seine Umgebung etwas näher erkunden. Nach einem ausgiebigen Frühstück geht es zunächst zum Autovermieter Manos* am Hafen, wo wir für einen sehr guten Preis ein Auto für die nächsten Tage mieten.

 

Kurze Zeit später legt ein Schiff nach dem Anderen am Hafen an und Menschenmassen stürmen die bereitstehenden Busse zum Vulkan. Aufgefallen ist uns ein spezielles Schiff nur mit Radlergruppen. Nisyros per Rad (E-Bikes) erkunden - keine schlechte Idee.
Eine halbe Stunde - dann ist der Hafenbereich wie leergefegt und die Hafenarbeiter gönnen sich ein Nickerchen.

 

*Kurze Anmerkung: Die Preise sind hier im Vergleich zu Tilos um einiges günstiger (Nachsaison natürlich) und auch der Zustand der Fahrzeuge ist hervorragend.

Immer am Meer entlang kommen wir wieder zum Rathausplatz und zur Platia Ilikiomeni. Gestern Abend haben wir bei Irini gegessen. Das Lokal war gut besucht, aber uns hat das Essen dort nicht so überzeugt. Die spürbar überzogene Freundlichkeit der Tavernenwirtin war nicht unser Fall und wenn man "dumme Touristen" mit Flaschenwein anstatt des bestellten Hausweines versucht, "über den Tisch zu ziehen" ist das durchaus ein Grund, ein Lokal zu meiden. Dann lieber einen Wein im Kafenion Andrikos.

 

Die Platia Ilikiomeni im Rücken, vorbei an der Taverne Panorama entdecken wir auf der linken Seite etwas, was wir bisher so noch auf keiner Insel gesehen haben. Hinter einem Haus verbirgt sich auf tieferem Niveau die byzantinische Kirche Theoskepasti. Da es sich hier um eine Privatkirche handelt, war diese verschlossen. Bei der kleinen Konstantin-Kirche und der Erzengelkirche gleich nebenan müssen wir auch erstmal eine Treppe hinuntersteigen. Hier konnten wir einen Blick in die Kirche werfen.
 
Unser nächstes Besichtigungsziel war das Spiliani Kloster. Im nordwestlichen Teil des Ortes ragt die Steilwand des Kastrofelsens mit den Resten einer Johanniterburg und dem Kloster Panagia Spiliani empor. Es geht achtzig Stufen hinauf bis zum Tor des Kastros aus dem 14. Jahrhundert und weitere fünfzig Stufen bis in den Vorhof des Klosters aus dem 17. Jahrhundert. Die Kirche Panagia Spiliani (Muttergottes von der Höhle) gehört zu den wichtigsten Klöstern der Dodekanes. Im Klosterhof gibt es ein Gästehaus, mehrere Mönchszellen, eine Bibliothek, die Klosterverwaltung und einen Souvenirshop.  Sehenswert ist die alte Höhlenkirche mit ihren Ikonen im hinteren Teil des Klosters. Die Überreste der Kreuzritterburg neben dem Kloster prägen das Bild der ganzen Anlage. Die Burg ist leider nicht zugänglich.
Der Ausblick von oben ist traumhaft. Der Blick führt über die Dächer von Mandraki hinaus auf das Meer und man entdeckt auch Dinge, die man sonst nicht erkennt.
 
Zum Kloster Evangelistria wandern wir am westlichen Ende der Platia Ilikiomeni links hinauf über einige Treppenstufen und folgen den Gassen in südlicher Richtung bis zum Dorfausgang. Wir überqueren die Straße die zum unteren Teil des Dorfes führt und kommen auf die Umgehungsstraße, welche sowohl zum Kastro als auch zum Kloster Evangelistria führt. Nach ein paar Metern führt ein kleiner Pfad links in Richtung eines Festungsturmes. Etwas später erreicht man wieder die Fahrstraße zum Kloster.
Das Kloster ist der Verkündung Marias geweiht und gehört mit zum Spiliani-Kloster. Die Ikone der Muttergottes wurde schon 1753 versilbert. Etwas überrascht waren wir über die Fassade, da wir das Kloster von anderen Bildern her nur in weiß kannten.
 
Auf einem Hügel oberhalb man Mandraki steht die fast 6.000 Jahre alte Akropolis bzw. das befestigte Paleokastro. Man erreicht es zu entweder zu Fuß von der Gasse unterhalb des Klosters aus (der Anfang des grob gepflasterten Weges ist mit einem Schild gekennzeichnet), oder eben ganz bequem mit dem Auto am Sportplatz vorbei. Die Zufahrt beginnt links neben dem Hotel Romantzo.

 

Das Kastro wurde in der Zeit des 6. bis 4. Jh. vor Christus mit sogenannten zyklopischen oder pelasgischen Mauern errichtet. Hierbei werden riesige Blöcke fugenlos ohne Mörtel verbaut, wobei als Besonderheit auf Nisyros gut sichtbar abgeschrägte Blöcke zur Stabilisierung eingefügt sind. Die Blöcke bestehen aus basaltischem Andesit, einem der härtesten Gesteine. Einzelne Blöcke sind bis zu 3 ½ Meter lang und bis zu 3,5 Tonnen schwer.
Die Anlage hatte in den vergangenen Jahrhunderten durch Erdbeben schwer gelitten. In den Jahren zwischen 2003 und 2008 wurden die Mauern aber mit Computerhilfe rekonstruiert und die Blöcke wieder passgenau an ihre alte Position gesetzt, bis zu einer Mauerhöhe von acht Metern. Es stehen heute wieder sechs Türme auf der Südseite mit einer 230 Meter langen Mauer, während auf der Ostseite zwei Türme und etwa 80 Meter Mauer stehen. Die Mauerkrone kann über zwei Treppen bestiegen werden und ist gut begehbar, Absicherungen bestehen aber nicht. Wenn man genau hinsieht, sieht man aber immer noch durch Erdbeben entstandene Spalten und Verschiebungen. An der Ostmauer kann man auch noch eine antike Inschrift entdecken, die das Verbot bekannt macht, in der Nähe der Mauer weder Bäume zu pflanzen noch Häuser zu bauen, um die Wehrhaftigkeit der Anlage zu erhalten. Der Feind sollte vor den Mauern keine Deckung haben.
Das Paleokastro umschließt zusammen mit den Klippen ein Gebiet von gut 130 Hektar. Das Innere des Kastros war eine Wohnsiedlung, die bisher noch nicht ausgegraben wurde. Das Kastro mit der Aussicht von den Mauern auf Mandráki oder vom Rand der Klippen auf das Meer ist auch ein beliebter Platz, um den Sonnenuntergang zu genießen.
Verbunden mit dem Kastro waren Wehrtürme auf der ganzen Insel. Die Kommunikation wurde tagsüber durch Rauchsignale und in der Nacht durch Feuersignale aufrecht erhalten. Einen der Wehrtürme sieht man gut vom Kastro aus Richtung Hafen. Die Anlage ist eine der besterhaltensten und größten in Griechenland. Dementsprechend hat sie auf uns sehr großen Eindruck gemacht. Kaum vorstellbar, wie diese riesigen Blöcke in dieser Zeit zugehauen, transportiert und an Ort und Stelle gesetzt wurden.

 

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