Emborio

 
 
Die Zufahrtsstraße nach Emborio endet auf einem Parkplatz unterhalb des Dorfes. Ungefähr 50 Meter vor Ende der Straße liegt auf der rechten Seite eine kleine Natursauna. Ohne das Hinweisschild fällt einem die Grotte zwischen den beiden Steinmauern kaum auf. Durch die Erdwärme ist es innen ziemlich heiß, genutzt wird die Sauna aber nicht mehr.
Vom Parkplatz führt der Weg bergan ins Dorf. Am Dorfeingang direkt am Kraterrand steht das alte Dorfkaffeehaus "To Balkóni tou Emboríou". Am schönsten sitzt man auf der rückwärtigen Terrasse mit einem grandiosen Blick auf die Caldera. Das Essen hier hat uns sehr gut geschmeckt. Bisher wird nirgendwo erwähnt, dass sich gegenüber der Taverne Balkóni unter einem Felsenbogen eine weitere kleine Taverne befindet. Diese ist aber nur am Abend geöffnet und das Essen dort lohnt den Weg nach Emborio auf jeden Fall.
Leider ist Emborio in einem bedauernswerten Zustand, was wir sehr schade fanden, denn der kleine Ort hat Potential. Ein Erdbeben hat dem Dorf schwere Schäden zugefügt, daher haben viele Bewohner den Ort verlassen. Im Winter sollen nur noch fünfzehn Menschen hier oben leben.
Treppen führen hinauf zum Kastro. Auch hier säumen Ruinen unseren Weg. Die Michaeliskirche sieht von außen frisch geweißelt aus, aber ob sich im Inneren der Kirche etwas getan hat, wissen wir nicht, da sie verschlossen war. Vom Kastro selbst sind nur noch ein paar Mauerreste übrig, jedoch die Aussicht von oben beeindruckt.

Nikia

 
Das zweite Kraterranddorf liegt im Süden der Insel an der Kante der Caldera und ist in einem viel besseren Zustand. Von Nikia aus blickt man nicht nur hinunter in den Krater, sondern auch über das Meer bis nach Tilos und in Richtung Osten bis nach Rhodos. Bei besonders klarer Sicht erkennt man sogar die Insel Karpathos, auf der wir bereits im Juni waren.
 
Nicht nur wegen der grandiosen Aussicht, sondern auch um das Vulkanmuseum zu besichtigen, sollte man nach Nikia fahren.
Das Vulkanmuseum ist außer Freitag jeden Tag von 9.00 Uhr bis 14.30 Uhr geöffnet und kostet drei Euro Eintritt. Das moderne Informationszentrum wurde mit Hilfe der EU finanziert. Hier erfährt der Besucher anhand von Schaubildern, Diagrammen und tollen Fotos Wissenswertes über die Welt der Vulkane. Vor Beginn unseres Rundganges informierte uns ein Video über die Entstehung der Vulkaninsel Nisyros und über weitere Vulkane in Griechenland. Ausgestellt werden Fossilien und Mineralien sowie vulkanisches Gestein u.a. von der Insel Santorin.
Es empfiehlt sich, zuerst das vulkanologische Museum zu besuchen, bevor man die Krater Stefanos und Polyvotis besucht.

 

Mein Tipp für Vulkanfans:

"Blaue Vulkane: Nisyros" von Georges E. Vougiokalakis

 

Nikia ist ein autofreies Dorf, d.h. die Straße endet am Dorfrand. Parkplätze gibt es durch das Museum genug. Das Dorf wird vom Bäcker aus Pali mit frischen Backwaren versorgt, denn es gibt nur einen Minimarket, der morgens drei Stunden geöffnet hat. Die Taverne Andriotis hat eine schöne Terrasse mit Fernsicht und das Essen war schmackhaft. In den Gassen ist alles sehr sauber und gepflegt, obwohl hier jeden Tag mehrere Touristengruppen nach der Vulkanbesichtigung durchgeschleust werden.
 
Das Highlight von Nikia ist die wunderschöne Platia mit der Kirche Issódia tis Theotókou. Diese ist eine Einraumkirche mit gedecktem spätgotischem Kreuzrippengewölbe. Der Bischofsthron, die Kanzel und das Templon sind aus Marmor und die Ikonostasen aus dem 17. Jahrhundert.
 
Auf der Platia gibt es zwei nette Kafenion. Das "Kafeneio tou Nikola" bietet mittlerweile neben Kaffee und Kuchen sehr leckeres Essen an.
Wir saßen gerne auf der Platia in einem der Kafenions und haben die entspannte Atmosphäre dort genossen. Nur mittags und am Spätnachmittag zogen Touristengruppen vorbei. Ihnen blieb oft nur Zeit für ein Getränk im Vorbeilaufen. "Oh - hier würden wir jetzt gerne länger sitzen" hörten wir oft von ihnen. Dass die Fähre Panagia Spiliani morgens und nachmittags zwischen Kos und Nisyros pendelt, wussten viele offenbar nicht.

 

Der alte Besitzer vom Kafenion Porta erzählte uns von schönen Festen mit Musik und Tanz auf der Platia. Ob seine Erzählungen aus vergangenen Tagen waren oder ob es immer noch Tanzfeste gibt, konnten wir seinen Ausführungen leider nicht entnehmen.
Die blumengeschmückten, verwinkelten Gassen im Dorf führen immer wieder zu wunderbaren Aussichtspunkten auf den Krater oder auf das Meer. Selbst der Friedhof hat Meerblick.

Avlaki

Von Nikia führt eine schmale asphaltierte Straße weiter nach unten zur Bucht von Avlaki. Wir fahren vorbei an einer kargen Terrassenlandschaft mit wenig Baumbestand. An einer Kapelle endet die Straße. Den Vorhof der Kapelle ziert wieder ein Kieselmotiv und wir werfen einen kurzen Blick in die dem heiligen Panteleimonas geweihten Kapelle. Ein gepflasterter Weg führt hinunter in die unbewohnte Bucht.
Egal wohin man sieht - verfallene Häuser - es herrscht Endzeitstimmung.
Bis in die fünfziger Jahre wurde der kleine Hafen von Avlaki noch genutzt, um Lieferungen von den großen Schiffen per Ruderboot für die Bewohner von Nikia zu bringen. Liegen in den Bootsgaragen die Überreste längst vergangener Tage?
Wegen seinen Thermalquellen plante man in Avlaki einst ein Kurbad. Das Heilwasser steigt am Ufer und im Meer auf (was wir auch in Ufernähe beobachtet haben) und soll Temperaturen von fast 60 Grad erreichen. Durch einen Brekzie-Kanal aus Vulkanlava kommt es an die Oberfläche. Eine kommerzielle Nutzung ist erfolglos gescheitert.
Der schwarze Lavastrand lädt nicht zum Baden ein und so verlassen wir die ungastliche Stätte ohne Wehmut.

Das Panigiri am Kloster Agios Ioannis Theologos

 
Am 26. September findet das jährliche Panigiri am Kloster Agios Ioannis Theologos statt. Schon an dem Tag, als wir unser Auto mieteten wurden wir auf das Fest hingewiesen und dass wir es auf keinen Fall versäumen dürften. Um 19.00 Uhr steigen wir in den Bus am Hafen, der uns für fünf Euro pro Person zum Kloster und auch um 24.00 Uhr abends zurückfahren wird. Der Bus ist nur dreiviertel voll, aber die Stimmung ist gut. Unterwegs wird noch kurz angehalten, um in der kleinen Minikapelle am Straßenrand ein Licht anzuzünden. Der Bus hält wenig später kurz vor dem Kloster. Der Weg führt uns etwas abwärts und schon sind wir mitten im Geschehen.
Vor der Höhlenkapelle sitzen zwei Frauen an einem Tisch mit den großen Artos Broten, die später geweiht und an die Gemeindemitglieder verteilt werden. Der Gottesdienst beginnt und die kleine Kapelle füllt sich. Vorsänger, Vorbeter und Papas - wir sind zu wenig vertraut mit den kirchlichen Abläufen, um zu verstehen was in der Kirche geschieht. Die Stimmung ist sehr feierlich und die Papas mit ihrer würdevollen Ausstrahlung runden das Bild ab. Das gesegnete Brot wird verteilt und auch wir bekommen ein Stück ab. Es schmeckt sehr gut und erinnert mich ein wenig an meine selbstgebackenen Vinschgauer ;-)
 
Auf der oberen Terrasse des Klosters stehen Tische und Bänke und wir suchen uns einen Platz, von dem  wir das spätere Tanzvergnügen gut sehen können. Zum Glück bekommen wir zwei Kissen, da es später auf den Steinbänken noch sehr kühl wird. Die Musiker haben ihre Anlage schon aufgebaut, auf der linken Seite ist ein langer Tisch für die Papas und ihre Begleitungen gedeckt.
Zuerst werden auf allen Tischen Teller mit Salat verteilt. Wir grinsen vor uns hin, als wir sehen, dass sich einzelne Urlauber gleich einen ganzen Teller Salat schnappen, obwohl dieser jeweils für mehrere Personen gedacht ist. Da muss der Hunger schon groß sein :-) Inzwischen bekommen wir Teller mit Ziegenbraten und Reis gereicht, wiedermal schmeckt es sehr gut.

 

Nach dem Essen stimmen die Musiker ihre Instrumente und schnell beginnt das Tanzvergnügen.
Wir sitzen an einem "griechischen Tisch" - die Stimmung ist sehr gut und wir werden wie selbst-verständlich in die Unterhaltungen mit einbezogen. Dass die Menschen auf der Insel sehr freundlich sind, werden wir in den nachfolgenden Tagen immer wieder feststellen können. Erstaunlich, wer uns nach dem Fest alles freundlich in Mandraki und Umgebung grüßt :-)
 
Menschen ungefragt zu fotografieren ist normalerweise nicht unsere Art, aber bei ihm konnten wir nicht widerstehen. Ein markantes Gesicht, welches für mich eine gewisse Melancholie und Nachdenklichkeit widerspiegelt.
Die Tanzfläche war mal voller mal leerer und die Stimmung war ausgelassen. Schön zu sehen, dass hier Jung und Alt gemeinsam tanzt. Wie wir erfuhren, war das Fest in diesem Jahr nicht so gut besucht wie in den Jahren vorher. Es hatte in diesem Jahr einige Todesfälle gegeben und den Angehörigen war daher eher nicht nach Tanzen zumute.
 
Uns gefiel das Fest sehr gut und wir hatten viel Freude an diesem für uns Ersten Panigiri.
Trotzdem waren wir froh, dass uns schon eine halbe Stunde vor der Busabfahrt unsere Autovermieterin mit nach Mandraki genommen hat.
Für Ende September war es in diesem Jahr abends bereits unerwartet kühl.

 

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