Der Vulkan

 
 
Es ist nicht ganz einfach, etwas über den Vulkan zu schreiben, ohne gleich in einen wissenschaftlichen Fachbericht zu verfallen. Ich versuche es mal in einer eher allgemeinen Beschreibung und bitte um Nachsicht, wenn sich der eine oder andere Fehler eingeschlichen hat.
Wer eine Luftbildaufnahme von Nisyros sieht, erkennt ohne Schwierigkeiten die vulkanische Entstehung der Insel. Das runde Eiland ist eigentlich nur die Spitze eines Vulkans, der aus dem Wasser ragt. Bei nur acht Kilometern Inseldurchmesser befindet sich in der Mitte von Nisyros eine elliptische alte Caldera von etwa 3,5 bis 4,5 km Durchmesser, auf deren Außenrändern sich die Dörfer angesiedelt haben.
 
Als Uhrzeit hatten wir uns den frühen Morgen ausgewählt. So hatten wir den Krater für uns alleine, konnten ausgiebig fotografieren und sind auch zu den sehenswerten Nebenkratern hochgestiegen. Gegen halb elf Uhr rückten dann die Busse mit den Tagestouristen von Kos an. Mit vier oder fünf Schiffen schlagen diese gegen 10.00 Uhr und 14.00 Uhr am Hafen von Mandraki auf und werden dann mit Bussen zum Krater und dann je nach Programm über die Insel kutschiert. Über die Tagestouristen kann man eine durchaus geteilte Meinung haben. Gerade der Hauptort Mandraki ist nachteilig davon geprägt, andererseits bringt das aber natürlich Jobs und Geld auf die Insel. Aber wenn dann nachmittags die letzten Schiffe gefahren sind, kehrt wieder Ruhe auf Nisyros ein.
Wenn man vom Nisyros-Vulkan spricht, ist aber eigentlich der wesentlich jüngere Stefanos-Krater gemeint, der mit knapp 300 Meter Durchmesser und 27 Meter Tiefe in der alten Caldera „neu“ entstanden ist. Man geht von einem Alter von nicht mehr als 3.000 bis 4.000 Jahren aus.
Blick in den Stefanos-Krater
Blick in den Stefanos-Krater
 
Auch wenn die letzten vulkanischen, bzw. magmatischen Tätigkeiten etwa 15.000 Jahre zurückliegen sollen, ist die Hydrothermalaktivität bis heute noch nicht erloschen. So ließen gewaltige Hydrothermalexplosionen begleitet von starken Erdbeben in den Jahren 1873 und 1887/1888 den Krater Flegethron entstehen. Der Krater Polyvotis soll auf eine historisch überlieferte Dampfexplosion im Spätmittelalter zurückgehen. Bei hydrothermalen Ausbrüchen handelt es sich sozusagen um Dampfexplosionen. Einsickerndes Meeres- und Regenwasser trifft auf eine tiefliegende Magmablase. Es bildet sich eine Masse aus Schwefel, Schlamm und Dampfdruck, die an die Oberfläche drängt.
Der schwefelhaltige Wasserdampf tritt im Krater Stefanos gut sichtbar aus sogenannten Fumarolen an die Oberfläche. Das Gebiet der Fumarolen sollte tunlichst nicht betreten werden, der kochende Schlamm am Grund dieser Löcher ist 100° Grad heiß und es besteht Einbruchgefahr. Die gefährlichsten Stellen sind durch Seile abgesperrt. Auf dem teilweise schwingenden Boden zu hüpfen, wie das manche Tagestouristen machen, ist daher keineswegs eine gute Idee.
Nachdem es um 1996 mehrere Erdbeben auf Nisyros gab und es auch zu tektonischen Verschiebungen kam (ein Riss verlief quer durch Mandraki), ist der Vulkan dem GEOWARN-System angeschlossen und wird überwacht. Während die Ausflugsboote auf Kos den Besuch des erloschenen Vulkans bewerben, sprechen die Vulkanologen eher von einem ruhenden Vulkan. Die mehrsprachigen Tafeln an der Nebenseite des Vulkankioskes treffen da eine klare Aussage: „Der schlafende aber dennoch aktive Nisyros Vulkan in einer Region geodynamischer Unruhe, ein großes tektonisches, seismisches und hydrothermales Gefahren- und Risikopotential.“
Die momentane Aktivität beschränkt sich aber auf heiße schwefelreiche Dämpfe sowohl im Stefanos-Krater, wie auch im Polyvotis-Krater. Die Dämpfe kristallisieren schwefelgelb an den Rändern der Fumarolen, kondensieren aber auch auf dem Kraterboden. Der Kraterboden wird von den Einheimischen daher „Akolos“ genannt, was „ohne Hintern“ bedeutet. Setzt man sich auf diesen schwefelsäurehaltigen Boden, kann man abends durchaus Löcher im Hosenboden haben. Wir haben nach unserem Besuch vorsichtshalber die Schuhe abgespült.
 
Später sind wir links vom Stefanos Krater die Staubpiste zum Stavros Kloster hoch gefahren, was ganz gut funktioniert hat. Die Zufahrt von Mandraki aus war uns vom Autovermieter mit dem normalen Auto untersagt worden.
Auch an diesem Kloster findet jährlich im September ein Kirchweihfest statt. Von verschiedenen Einheimischen wurde uns aber erzählt, dass das Panigiri in Agios Ioannis Theologos das Schönere sei.
 
Es waren acht erlebnisreiche schöne Tage auf der Vulkaninsel Nisyros. Wir hatten überwiegend windige Tage und daher haben wir vom "Schwefelgeruch" der Insel nicht viel mitbekommen. Ein Wiedersehen ist nicht ausgeschlossen.
Morgen geht es über Kos zurück nach Hause.
 
 
Hier geht es zurück zur Griechenlandübersicht.