Die Wanderung zur Einsiedelei


Am nächsten Tag schien zum Glück wieder die Sonne und wir beschlossen, die Kirchen der fünf Märtyrer und die beiden Eremitagen zu besuchen.
Wir wanderten vom Hauptort wieder in Richtung Platis Gialos. Auf der ersten Kuppe hätten wir die Möglichkeit gehabt, links ab über einen Pfad hoch zu steigen, um an den Sendemasten vorbei zu der Kirchenanlage Pende Osiomartyres (Die fünf Märtyrer) zu gelangen. Nachdem uns Michalis nach dem Regen aber eindringlich vor Schlangen gewarnt hatte, blieben wir lieber doch auf dem Fahrweg. Etwa einen Kilometer vor dem Strand Platis Gialos geht es durch ein geöffnetes Tor links den Berg hoch. In Serpentinen kommt man an der alten Müllkippe vorbei, inzwischen ordentlich abgedeckt und nur noch an den Entlüftungsrohren zu erahnen.
Schon nach kurzer Zeit sieht man links am Berg die Stavros Kapelle, und gleich auch schon die Anlage der fünf Märtyrer auf der Bergkuppe. Direkt am Eingang wurden wir von einer hungrigen Katzenfamilie überfallen. Zum Glück befand sich in der Nische einer Kapelle eine Tüte mit Trockenfutter. Die ungewöhnlich große Kirchenanlage liegt einsam und scheinbar verlassen, aber wegen der vielen Tiergehege (Pfaue, ein Wachhund und Hühner) vermuten wir, dass dort schon regelmäßig jemand nach dem Rechten schaut. Jeder Märtyrer hat hier seine eigene Kirche bekommen, die sich über den Hang verteilen. In die eine oder andere Kirche haben wir hineingeschaut, sind dann aber doch sehr schnell weiter gezogen.
Auf einer Betonstraße ging es steil abwärts zum Kimissi Strand, einem kleinen Kiesstrand, der zum Schwimmen einlädt. Links oberhalb vom Strand findet man die erste Eremitage, Kato Kimissi. Kapelle und Nebenraum sind klein, kaum vorstellbar, dass hier jemand jahrelang gelebt hat. Zwischen Strand und Kapelle liegt versteckt ein Brunnen, über dem auch eine Schöpfkelle herabhängt. Die Felsspalten mit den Überresten der alten Einsiedler haben wir nicht gesucht, das war uns dann doch etwas zu schräg.
Auf der anderen Seite der Bucht geht es auf einem sehr ordentlich gemauerten und komfortablen Treppenweg wieder aufwärts, Richtung Pano Kimissi. Ausgeschildert ist der Weg nicht, aber es gibt sowieso keine andere Möglichkeit. Mit tollen Ausblicken in Richtung Patmos geht es zügig aufwärts. Der Weg zieht sich doch länger als erwartet, bis nach mehreren Ecken endlich eine blau/weiße Fahne zwischen den Felsen weht. Mit dem Ziel vor Augen schafft man auch den restlichen Weg zügig. Hinter dem Eingangstürchen eröffnet sich ein Plateau. Alleine für die Aussicht hat sich der Weg gelohnt. An den Berg gelehnt befindet sich eine kleine Kapelle mit einer Klause, wesentlich komfortabler als Kato Kimissi.
Irgendwann mussten wir dann doch den idyllischen Platz verlassen. Zurück wählten wir nicht den Treppenweg abwärts, sondern nahmen den Pfad, der sich links vom Eingangstürchen den Berg hochzieht. Immer auf halber Höhe geht es auf Schotterpfaden zurück Richtung der fünf Märtyrer, aber ohne dass man in die Bucht hinabsteigen und die steile Betonpiste wieder hinauf marschieren muss. Eine Wegkennzeichnung gibt es nicht, aber auch hier kann man sich nicht verlaufen, der Weg ist problemlos erkennbar. Wem die ganze Wanderung zu anstrengend ist, der kann sich ja vom Bus am Abzweig Kimissi absetzen lassen.

 

Unser Fazit:
Leider waren die fünf Tage, von denen wir auch eineinhalb Tage Regen hatten, auf Lipsi viel zu kurz. Uns hat die Insel mit ihrem ursprünglichen Charme sehr gut gefallen und wir kommen wieder :-)



Am nächsten Tag fuhren wir mit der Anna Express weiter nach Patmos.