Kos und das Asklipieion

 
 
Da Flug und Fähre für unsere Weiterreise nach Tilos  nicht zusammen passten, nutzen wir unseren Zwangsaufenthalt auf Kos, um uns das Asklipieion anzusehen, die bedeutendste archäologische Stätte auf Kos.
Man erreicht es ganz einfach mit dem Touristenbähnchen von Kos-Stadt aus in gut 20 Minuten, das aber 7,00 Euro pro Person kostet. Wesentlich billiger und schneller geht es mit dem Stadtbus für 3,20 Euro. Beide fahren in der Straße „Megalou Alexandrou“ ab und halten direkt in Messaria vor dem Eingangstor zur Ausgrabungsstätte. Der Eintritt ins Asklipieion kostet 8,00 Euro pro Person. Das Asklipieion liegt knapp 4 km entfernt in südöstlicher Richtung, je nach Busfahrer braucht man 10-15 Minuten. Zurück fährt der Bus dann eine andere, etwas längere Route.
Der Ursprung dieser Stätte ist zeitlich nicht ganz geklärt. Belegt ist die Errichtung eines Apollon-Tempels im 4. Jahrhundert vor Christus. Jedenfalls wurde hier Asklepios, der Gott der Heilkunst verehrt (römisch Äskulap). Man betritt die Anlage am Kassenhäuschen von unten her auf die unterste Terrasse, wobei die mittlere Terrasse aber den ältesten Teil der Anlage darstellt.
Zurück aber zur untersten Terrasse: Diese datiert wahrscheinlich aus dem 1. Jahrhundert v.Chr. Ein Teil der Gebäude diente den Pilgern und Heilungssuchenden als Unterkunft, in anderen Gebäuden wurde Medizin gelehrt. Die Ruinen auf der linken Seite sind Reste der römischen Thermen aus dem 1. Jh. nach Chr. In der langen Reihe bogenförmiger Nischen in der Mauer zur zweiten Ebene sollen Götterstatuen gestanden haben. Verbunden sind die Terrassen durch riesige breite Treppen ohne Brüstung oder Geländer, die durch italienische Archäologen rekonstruiert wurden. Betrachtet man aufmerksam den Boden, sieht man an mehreren Stellen Säulenstümpfe, aus denen sich die Bauwerke erahnen lassen. Auf jeder Ebene gibt es übrigens sehr gute Bildtafeln mit Rekonstruktionszeichnungen, auf denen jeweils der eigene Standort markiert ist.
Auf der mittleren Terrasse findet man neben dem Apollon-Tempel auch die Reste mehrerer Tempel im ionischen Baustil. Die Badeanlagen auf dieser Ebene wurden von einer Quelle gespeist. Hier fanden auch die medizinischen Behandlungen statt.
Nach Ersteigen der letzten großen Treppe steht man schließlich auf der dritten Ebene, unmittelbar vor den Resten eines dorischen Tempels aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. Der aus Säulenteilen zusammengesetzte Altar, den man dort sieht, rührt allerdings aus byzantinischer Zeit, als der Tempel als christliche Kirche genutzt wurde.
Umgeben ist das Asklipieion von jeher mit einem Zypressenwald. Von der obersten der drei Terrassen auf etwa 100 Meter Höhe öffnet sich der Blick über Kos-Stadt bis hin nach Kalymnos und die Türkei im Westen. Am hinteren Rand der dritten Terrasse führt eine (nicht restaurierte) Treppe in den heiligen, Apollon geweihten Zypressenwald.
 
Das Asklipieion von Kos gehört mit Trikke in Thessalien und Epidauros auf dem Peleponnes zu den drei größten griechisch-römischen Heiligtümern des Asklepios, meist mit angeschlossenem Heilzentrum. Auf Kos wandelte es sich in römischer Zeit von einer Kultstätte zu einem Bad- und Heilzentrum. Der 460 vor Christus auf Kos geborene berühmte Arzt Hypokrates wird gerne mit dem Asklipieion in Verbindung gebracht, aber er verließ schon als junger Mann Kos, um als Arzt in Larissa/Thessalien tätig zu sein. Höchstwahrscheinlich entwickelte sich die Anlage erst danach zu ihrer Blüte. Wiederentdeckt und freigelegt wurde das Asklipieion erst in den Jahren 1902 bis 1904 vom deutschen Archäologen Rudolf Herzog.
 
 
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