Die Wanderung von Awlóna nach Wúrgunda

 
 
Inspiriert durch den schönen Karpathos-Vortrag von Lothar Hoppen machten wir uns morgens um sechs Uhr auf den Weg nach Awlóna. Von hier aus wollten wir zur Höhlenkirche Agios Ioannis in Wúrgunda wandern.
 
Wir parkten unser Auto in Awlóna und wanderten auf  der staubigen Hauptstraße an einer Mauer entlang, bis der Weg am Hinweisschild zwischen den Feigenbäumen nach links abzweigte. Vorbei an den Feldern und Ziegenweiden der Anwohner von Awlóna verlässt man durch ein Gatter das Dorf. Nun führt der mit rot/blauen Streifen markierte Weg leicht abwärts.
Wir erreichen einen großen Felsen und ab hier geht der Weg steiler bergab. Große Teile des Weges sind mit verschiedenen Steinen gepflastert, auf denen man aber nicht so gut läuft. Zum Glück haben unsere Wanderschuhe dicke Sohlen, die den Weg gut begehbar machen. Der Baumbewuchs ist hier recht spärlich, die Büsche sind vertrocknet und leuchten in rot/braunen Herbstfarben. Im Vergleich zu anderen griechischen Inseln haben wir keine einzige Eidechse entdeckt, nur die Esel und Ziegen stehen gelangweilt in der Morgensonne.
Endlich ist die Kapelle Agias Marina in Sicht. Wenn man die untere Ebene der Halbinsel erreicht hat, sieht man rechts einen großen Felsblock mit herausgeschlagenen Nischen - es sind Felsengräber aus der Antike. Im Altertum war hier eine der vier Städte von Karpathos und heute sind nur noch die Überreste von Brykos zu sehen.
Wir laufen weiter und kommen so auf das Plateau der Halbinsel mit den Mauerresten der antiken Stadt. Der Weg verläuft weiter an der Steilküste entlang, wo man ein etwas wackeliges Holzgeländer zur Absicherung angebracht hat.
Geschafft - vor uns liegt das Felsplateau, wo wir auf der Holzbank Platz nehmen und unser Frühstück auspacken. Ein Frühstücksplatz mit grandioser Aussicht. Was will man mehr ?
Jedes Jahr am 28. August findet hier ein großes Fest zu Ehren des heiligen Johannes des Täufers statt. Die Menschen aus Diafani und Ólympos pilgern dann mit allem, was man für ein Fest benötigt, nach Wurgúnda. Zum Glück gibt es unterhalb der Felsen auch eine Bootsanlegestelle. Übernachtet wird dann auf dem in Terrassen angelegten Gelände.
Vom Festgelände führt auch noch ein durch rote Punkte markierter Weg zu den Ruinen der antiken Stadt. Man kann sich mit etwas Fantasie vorstellen, wie es hier früher ausgesehen hat.
Später trennen wir uns von der schönen Aussicht und wenden uns in Richtung des Beton-Kreuzes und einem Glockenturm aus Holz dem Eingang der Kapelle zu.

 

Stufen führen hinab in die Höhlenkirche und modrige Luft empfängt uns. Das schöne Taufbecken aus Stein fängt das Tropfwasser von oben auf. Mit unseren Taschenlampen konnten wir die im Dunkeln liegende Ikonenwand gut besichtigen.
Der Weg zurück ist etwas beschwerlicher, da es über die grobsteinigen Wege nur bergauf geht und die Sonne um 10 Uhr doch schon an Kraft zunimmt. Jeder Windhauch wird dankend angenommen und wir haben insgesamt vier Liter Wasser verbraucht. Auf dem letzten Kilometer "sprintet" ein alter Grieche mit Stock auf den Stufen an uns vorbei. Nein - ich möchte nicht wissen, was er uns zugerufen hat ;-)
Endlich kommt das Weinanbaugebiet und die Felder von Awlóna in Sicht. Wir haben es geschafft und es war trotz des anstrengenden Rückweges eine schöne Wanderung und an die grandiosen Ausblicke werden wir bestimmt lange zurückdenken.