Ólympos

 
 
Ólympos - einst der abgelegenste Ort im Norden von Karpathos. Elimbos nennen die Einheimischen dieses in der Höhenlage liegende Dorf eingebettet zwischen kahlen Felsen.
 
Mittlerweile ist das schönste Bergdorf der Ägäis mit seinen bunten Würfelhäusern zur Touristenattraktion geworden, was natürlich seine Vor- und Nachteile hat.
 
Samstags wollten wir schon frühmorgens nach Ólympos. Auf den unteren Stufen unserer Unterkunft saßen drei albanische Arbeiter, die eine Mitfahrgelegenheit nach Ólympos suchten. Wir zeigten zweifelnd auf unseren Fiat Panda, aber die Drei quetschten sich gut gelaunt auf die Rückbank und unser kleiner Panda keuchte mit fünf Personen beladen die kurvige Strecke hinauf ins Dorf. Am Parkplatz in Ólympos gingen die Männer zur Arbeit und wir machten uns auf zur Dorfbesichtigung.
 
Vorbei an zahlreichen Tavernen und ein paar kleinen Kapellen kommen die ersten kleinen Läden in Sicht. Noch haben nicht alle Geschäfte geöffnet, was aber die emsigen alten Damen nicht daran hindert, mir die Vorzüge eines traditionellen Kopftuches zu erklären. Bitte kein Kopftuch, aber ich finde etwas Anderes und darf auch ein paar Fotos von der humorvollen alten Dame machen.
Immer wieder auffällig sind die Häuser mit den schön verzierten Balkonen und ihren Darstellungen des täglichen Lebens.
So früh am Morgen ist es in den engen Gassen noch recht beschaulich. Ein Blick in die Tavernenküche mit einem großen Backofen. Das appetitlich aufgestapelte Obst und Gemüse gleicht einem Gemälde. Ein weiterer Blick in die Werkstatt des Dorfschmiedes und ein Besuch beim Schuhmacher Jannis Preáris dürfen natürlich nicht fehlen.
 
Herr Preáris ist in Plauderlaune und erklärt uns, wie er handgemachte traditionelle Arbeits- und Festtagsstiefel, sowie Halbschuhe fertigt.  Zehn Jahre Garantie gibt es auf seine Stiefel. Stolz zeigt er uns ein sechsunddreißig Jahre altes Paar Arbeitsstiefel, die noch sein Vater gefertigt hat und die er jetzt zur Reparatur bekommen hat. Ein Foto zum Abschied und der Hinweis, dass seine Frau gegenüber auch noch einen Laden mit handgemachten Decken hat.
Wir gehen weiter Richtung Kirchplatz, auf dem auch an Festtagen gefeiert wird. In der Kimisis tis Theotokou aus dem 16. Jh., die der Gottesmutter geweiht ist, besichtigen wir die geschnitzten und vergoldeten Ikonen. Der anwesende Pope verwickelt meinen Mann in ein griechisches Männergespräch. Nein - mein Mann ist kein Grieche - seine Griechischkenntnisse verraten es schnell. Wir zünden noch ein paar Kerzen an, hinterlassen eine kleine Geldspende und machen uns schmunzelnd davon.
Eine solche Situation haben wir schon mehrfach in Griechenland erlebt.
Einen Zwischenstopp müssen wir in der Taverne Párthenon einlegen. Die alte Kalliopí ist sehr redselig, da sie ein paar Jahre in München gelebt hat und jedem ihre Familiengeschichte erzählen muss. Nach einem Getränk können wir entkommen und erreichen anschließend den älteren Teil des Dorfes. Auf dem Platz oberhalb einer alten Kapelle setzen wir uns auf die Mauer. Abseits vom Trubel hat man hier Ruhe und Meerblick.

 

Hinter dem Dorfzentrum führt ein Weg über Treppen hinab zur Dorfbäckerei. Seitlich am Dorfbackofen stehen schon die Schüsseln mit dem fertigen Brotteig.
Zuerst wird der Ofen angefeuert, später werden die brennenden Scheite herausgeholt und mit Wasser abgelöscht. Der Reisigbesen aus Kiefernzweigen wird mit einem nassen alten Pullover umwickelt, mit dem anschließend der Ofen ausgewischt wird. Erst danach kommen endlich die Brote in den Backofen. Leider wollten die beiden älteren Damen nicht bei ihrer Arbeit fotografiert werden - sehr schade.
Später werden wir uns noch ein frisch gebackenes Brot mitnehmen.

 

Weiter unterhalb sehen wir die Windmühlen der Taverne O Milos. Rauch steigt auf - der Backofen wurde schon angefeuert. Schnell machen wir uns auf den Weg hinab.
 
 
Die Windmühlen und die Taverne O Mìlos der Familie Farmakídis sind unser absoluter Favorit in Òlympos. Abends kann man auf der vorderen Terrasse sitzen und das Essen und den Sonnenuntergang genießen. Die Windmühle der Taverne ist noch in Betrieb und wir durften sie auch von innen besichtigen.
 
Zu unserer großen Freude konnten wir hier beim Backen zusehen und auf unsere vorsichtige Nachfrage hin auch fotografieren und filmen. Hier werden u.a. Tiropites, Tourtes, Spanakopittas gebacken und später auch Fleischspieße mit Weißwein übergossen und Gemüse serviert. Es ist schon erstaunlich, wie viele Backbleche und Töpfe in dem Backofen Platz finden.
 
Von der hinteren Tavernenterrasse hat man einen schönen Ausblick auf den Gemüsegarten der Familie. Ab elf Uhr gibt es die frischen Spanakopites, die mit Chórta gefüllten kann ich besonders empfehlen, aber auch die mit süßlichem Käse gefüllten Toúrtes sind sehr lecker.

 

Nachdem dann anschließend die Töpfe mit verschiedenen Fleisch- und Gemüsegerichten für das Mittag- und Abendessen im Backofen stehen, werden die handgemachten Makkaroúnes auf einem großen Tuch auf dem seitlichen Tavernendach zum Trocknen verteilt.

 

Wir haben mehrfach in der Taverne gegessen und es hat uns immer sehr gut geschmeckt. Mein Tipp für alle, die etwas abseits vom Trubel im Dorf essen möchten.
 
Ólympos erschließt sich dem Besucher nicht mit einem Besuch. Für das schöne Dorf und seine etwas zurückhaltenden, aber herzlichen Menschen braucht man Zeit. Man sollte das Dorf vor dem Touristenansturm um 11.00 Uhr und nach 16.00 Uhr besuchen oder einfach ein paar Tage hier oben wohnen. Dann hat man die Chance, ein paar schöne Erlebnisse mit nach Hause zu nehmen.
Empfehlenswert auch der schöne Sonnenuntergang bei der Taverne O Milos.

 

 

Weiter geht es nach Spóa - Ágios Nikólaos - Ápella - Kirá Panagiá.