Norwegen 2009 - Hurtigruten im Winter
„Die schönste Seereise der Welt – die Fahrt mit den Hurtigruten Schiffen zwischen Bergen, der alten Hansestadt, und Kirkenes dem
entlegenen Ort nahe der russischen Grenze.“ So steht es in jedem Reiseführer. Seit 1893 verkehren die unterschiedlichsten Postschiffe im täglichen Liniendienst entlang der norwegischen Küste.
Auf dieses Abenteuer hatten wir uns eingelassen, aber nicht im Sommer wie viele Andere, sondern wir wollten den Winter in Norwegen, auf der Suche nach dem Nordlicht erleben.
Geplant hatten wir unsere Reise auf der MS Richard With, nach dem Gründer der berühmten Hurtigruten Postschifflinie benannt. Ein Schiff mit einer Kapazität von 691 Passagiere. Leider hatte unser
Schiff ein paar Tage zuvor einen kleinen Unfall, so dass wir kurzfristig auf die MS Trollfjord, welche seit 2002 auf dieser Route unterwegs ist, umgebucht wurden. Das Schiff hat eine Kapazität für
820 Passagiere und war somit größer und moderner. Wir waren also gespannt was uns erwartete.
1. Tag
Durch diese Umbuchung kamen wir leider erst am Abend in Bergen an und so konnten wir diese schönen Stadt nicht mehr besichtigen. Das Schiff wartete.
Pünktlich um 22.30 Uhr begann die Reise an Bord des Hurtigruten-Schiffes. Im Restaurant wurde ein „Bergen Buffet“ geboten mit Lachs, geräucherten Forellen, Hering in verschiedenen
Zubereitungsarten, Krabben, Kaviar, Roastbeef, Salate, Gemüse, allerlei warme und kalte Speisen sowie viele verführerische Desserts. So konnten wir unseren ersten Abend gemütlich ausklingen
lassen.
2. Tag
Die erste Nacht an Bord verlief ruhig. Den Hafen in Florø und Maløy am frühen Morgen haben wir noch verschlafen, aber dann trieb es uns nach draussen. Ein kalter Wind umwehte uns, als wir an Deck
standen. Die blaue Dämmerstimmung, die sich immer wieder veränderten Wolkenformationen, ließ alle Anspannungen des Alltags von uns abfallen und wir genossen die vorbeigleitende Landschaft. Ein kurzer
Stop im kleinen Dorf Torvik und schon ging es weiter.
Gegen Mittag kam Âlesund mit seinen schneebedeckten Bergen in Sicht. In Âlesund wird unser Schiff drei Stunden am Kai liegen und wir haben Zeit für eine Stadtbesichtigung.
Die Jugendstilstadt Âlesund ist ein kleines Highlight unserer Reise. Âlesund gehört zu den größten Fischereihäfen Norwegens und ist somit der größte Exporthafen für Trockenfisch. Anfang des 19.
Jahrhunderts wurde der gesamte Stadtkern durch ein Feuer vernichtet. Innerhalb von drei Jahren wurde die Stadt im Jugendstil mit nationalen Elementen vermischt wieder aufgebaut.
Den Hausberg Aksla erreicht man über eine Treppe mit 418 Stufen. Aus 189 m Höhe bietet sich ein Postkartenpanorama auf und über ganz Âlesund.
Unsere nächster Hafen war Molde. Dort legten wir um 17.30 Uhr für eine Stunde an. Die herrliche Aussicht der am Hang gelegenen Stadt konnten wir im Lichtermeer der Dunkelheit nur erahnen.
3.Tag
Am frühen Morgen erreichten wir Trondheim – die Hauptstadt der Wikinger. Frisch gestärkt am reichhaltigen Frühstücksbüffet machten wir eine Busfahrt durch die drittgrößte Stadt Norwegens, die vom
Wikingerkönig Olav Trygvasson gegründet wurde.
Faszinierend fanden wir die Nidaros-Kathedrale mit der imposanten Westfront und den schönen Figuren an der Hauptfassade. Sie gilt als größtes mittelalterliches Bauwerk Nordeuropas. Schade, daß
wir keine Fotos vom Inneren der Kathedrale machen durften.
Auch die auf Pfählen im Wasser der Nidelva stehenden Holzspeicher-Häuser aus dem 18. Jahrhundert gehören zum klassischen Stadtbild von Trondheim. Diese Speicher beherbergen heute moderne
Wohnungen, Ateliers und Restaurants.
Als wir gegen Mittag Trondheim verließen, informierte uns der Kapitän über eine Rettungsübung, die uns das Gefühl von Sicherheit an Bord gab.
Es ging vorbei an der Insel Munkholmen mit seinem ehemaligen Kloster, welches nach einem Brand zur Festung umgebaut wurde. Sonnenschein begleitete uns, während wir durch den Trondheimsfjord
fuhren.
Auch von der Panorama-Lounge hat man einen schönen Ausblick.
4. Tag
In der Nacht haben wir die Städtchen Brønnøysund, Sandnessjøen und Nesna verschlafen. Früh am Morgen, zwischen Nesna und Ørnes, überqueren wir genau um 7.24 Uhr den Polarkreis auf 66°33‘51“
nördlicher Breite. Hier beginnt im Sommer die Mitternachtssonne und im Winter die Polarnacht. Am 22. Dezember, der Wintersonnenwende, erreicht die Sonne ihren niedrigsten Stand und tangiert den
Polarkreis ohne aufzugehen.
Nachdem wir die Polarkreisüberquerung noch in völliger Dunkelheit vollzogen hatten, konnten wir gegen 9.00 Uhr an Deck die Morgensonne mit Blick auf die schneebedeckten Berge genießen.
Gegen Mittag legte unser Schiff in Bodø, der Hauptstadt von Nordland an. Im Fischerei- und Yachthafen sind Fischkutter aller Größen zu sehen. Es herrscht ein buntes Treiben von ankommenden
Handelsschiffe, Fähren und dazwischen die Boote der Freizeitkapitäne.
Um 15.30 Uhr vollzog auf Deck 9 Meeresgott Neptun die Polartaufe. Vor dieser haben wir uns erfolgreich gedrückt. Wer möchte schon gern mit einer Suppenkelle voller Eiswürfel getauft werden?
5. Tag
Morgenstimmung zwischen Lofoten und Vesterålen.
Nach diesem traumhaften Sonnenaufgang ging es erst einmal zum Frühstück, welches in Norwegen Frokost genannt wird. Das Frühstück an Bord läßt keine Wünsche offen. Vom Müslimix, kaltem Aufschnitt
und Käseplatten, eingelegten Heringen und andere Fischspezialitäten wird alles geboten.
Die Mittagssonne trieb uns wieder an Deck. Die Farben und Stimmungen der Landschaft veränderten sich laufend. Dieses Naturschauspiel in Licht und Farben, welches uns auf der ganzen Reise
begleitete, muß man erlebt haben.
Dann kam Tromsø mit der Eismeerkathedrale in Sicht. Hier an der "Pforte zum Eismeer" starteten die weltberühmten Polarforscher Roald Amundsen und Fridtjof Nansen, aber auch unzählige Trapper
brachen auf, um in der Arktis Eisbären und Polarfüchse zu erlegen. Viele interessante Dokumentationen und Ausstellungen findet man im wirklich sehenswerten Polarmuseum. Wir machten einen Bummel
entlang der Storgata mit ihren vielen Geschäften, Restaurants und Kneipen.
6. Tag
Am frühen Morgen verließen wir Tromsø, ohne zu wissen, welch ein ereignisreicher Tag uns noch bevorstand.
Um 10 Uhr besuchten wir erst einmal den Kapitän auf der Brücke. Es war sehr interessant zu erfahren, mit welch einer Technik so ein Schiff ausgerüstet ist. Ein "Muß" nicht nur für
Technikfans.
Am frühen Abend legte das Schiff in Honningsvåg an. Es blieb aber nur Zeit für einen kurzen Blick auf die kleine Kirche des Ortes.
Anschließend stand die Fahrt zum Nordkap auf dem Programm. 34 km trennen Honningsvåg vom Kap. Es ging steil zu einem Paß von 312 m Höhe hinauf, die letzten 13 Kilometer fuhr dem Bus ein
Schneepflug voraus. Auf dem Nordkap-Plateau wehte ein unangenehmer, eisiger Wind. Trotzdem mußten ein paar Fotos zur Erinnerung gemacht werden.
Nach unserer Rückkehr an Bord, wartete ein "Nordkap-Buffet" auf uns. Es gab eine Vielzahl von Meeresfrüchten und wir konnten zum ersten Mal Rentierfleisch probieren.
Nach einem ausgiebigen Abendessen und einem kleinen Erfahrungsaustausch mit anderen Mitreisenden, beschlossen wir unsere Schlafkabinen aufzusuchen. Wir standen bereits vor unserer Kabinentür, als
die seit Tagen erwartete Nachricht des Kapitäns durch die Lautsprecher kam: Nordlichter!! Wir hatten die Hoffnung schon aufgegeben. Um um 22.40 Uhr standen wir an Deck und bestaunten das
faszinierendste und einzigartige Schauspiel das der Himmel zu bieten hatte.
6.Tag
Ankunft morgens um 9.00 Uhr in Kirkenes, unser Abreisetag.
Fazit dieser Reise: Norwegens Küste ist sehenswert und eine Reise mit den Hurtigruten im Winter hat ihren eigenen Reiz. Vielleicht werden wir irgendwann in einem Sommer diese Reise nochmal von
Kirkenes aus machen.